16.04.2020

Gewinner der GEPLANT+AUSGEFÜHRT-Preise 2020

Die Gewinner der GEPLANT+AUSGEFÜHRT-Preise wurden bereits vor den Corona-Einschränkungen und der in diesem Zuge erfolgten Absage der Internationalen Handwerksmesse 2020 im Rahmen einer mehrstündigen Jurysitzung in München ermittelt. Die Auszeichnung und Bekanntgabe der bedeutenden Bauprojekte ist aufgrund des Renommees des Preises in Handwerk und Architektur ein wichtiges Ereignis für die diesjährigen Gewinner. Die Ausstellung mit Vor-Ort-Preisverleihung und Jurylaudatio auf der Messe entfiel, wird aber zeitnah im Rahmen der ersten Station der GEPLANT+AUSGEFÜHRT-Wanderausstellung nachgeholt.


Köln, München, Rottenburg am Neckar: Diese Städte sind Standort insgesamt dreier Bauwerke, die durch ein herausragendes Zusammenspiel zwischen Architektur und Handwerk hervorstechen – und damit die ersten Plätze des GEPLANT+AUSGEFÜHRT-Wettbewerbs belegen. Aus insgesamt 150 Einreichungen traf die Fachjury eine Vorauswahl von 30 Bauprojekten aus Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz für die Ausstellung. Allesamt erstklassige Beispiele, die von Handwerkern und Architekten/Innenarchitekten gemeinsam umgesetzt wurden.

Erster Preis: Das Feuerwehrzentrum in Köln-Kalk

Das Planungsbüro Knoche Architekten BDA aus Leipzig konzipierte das Feuerwehrzentrum als kraftvolles und markantes Gebäudeensemble um einen Betriebshof und wurde damit gleichermaßen städtebaulichen Zielvorstellungen und funktionalen Erfordernissen gerecht. Durchgeführt von der Schrag Fassen GmbH aus Chemnitz sowie der Franzen Ingenieur und Montagebau GmbH aus Kottenheim, bildet der fünfgeschossige Hauptbaukörper der Berufsfeuerwehr den baulichen Schwerpunkt. Von diesem aus verläuft die durchgängige Gebäudekontur über alle weiteren Bauteile und findet im Schlauchturm ihren Abschluss. Ziel der Planung war unter anderem der gestalterische Zusammenhalt des Ensembles mittels einer durchgängig angeordneten Fassadenstruktur. Wenige, aber robuste Materialien prägen die Architektur: Die Metallfassaden sind aus verzinkten Stahlblechtafeln und stehen für technische Funktionalität. Das gewählte Material spiegelt technische Solidität und Beständigkeit wider – und damit die Werte und das Selbstverständnis einer Berufsfeuerwehr.

Zweiter Preis: Dachaufstockung R11_Maxvorstadt

Geplant durch Pool Leber Architekten  aus München, verfolgte die Dachaufstockung in der Münchner Maxvorstadt neben der Erweiterung der Innenräume das Ziel großzügiger Außenräume und Terrassen mit Ausblick in alle Himmelsrichtungen. Der Bestand aus den 80er Jahren hatte in seinen Fundamenten wenig Reserven, sodass für zweieinhalb Neubau-Geschosse ein Stahlbeton-Terrassengeschoss abgerissen werden musste. Eine Erweiterung als Holzmassivbau mit hinterlüfteter Stahlfassade und Sichtbeton-Brandwänden löste schließlich die Gewichtsproblematik. 

Das Ergebnis beeindruckt: Im Wohngeschoss durchfließt in der Horizontalen der Innenraum den Außenraum, Verbindungen zwischen Wohnen, Küche und Schlafbereichen sind geschaffen. Die Galerie geht vom Westen bis in den Osten und erlaubt über Geschosse und Raumfolgen hinweg eine Zirkulation in der Vertikalen. Die matte Stahlfassade schließt an die Farbigkeit des Bestandes an und integriert diesen als stimmige Erweiterung. Im Innenraum setzen naturbelassene Materialien wie Holz, Beton, Jura und Stahl das fließende Farb- und Raumkonzept fort. 

Durchgeführt wurde die außergewöhnliche Arbeit durch die Zimmerei Frank (München), die Dachdeckerei Erwin Miller (Krailling), die Markus Lembcke Spenglerei (München) sowie durch Küchenkonzepte Humpel (Feldkirchen-Westerham). 

Dritter Preis: Bischofsgrablege Sülchenkirche Rottenburg am Neckar

Unter der Planung des österreichischen Architekturbüros Cukrowicz Nachbaur Architekten führten die Lehm Ton Erde Baukunst GmbH (Schlins, Österreich), die Schlosserei Götz GmbH (Reutlingen), die Lenz Steinmetz GmbH (Alberschwende, Österreich) sowie der Steinmetz und Bildhauermeister Harald Straub (Rottenburg a.N.) Arbeiten an der von 1447 bis 1454 gebauten Sülchenkirche durch und errichteten unter dem Kirchenschiff eine mystisch anmutende Bischofsgrablege. Hintergrund sind Grabungen, bei denen die Fundamente einer vorromanischen Vorgängerkirche aus dem 9. Jahrhundert mit einem Dreiapsidenchor entdeckt wurden. Der Entwurf der Bischofsgrablege schließt an den Bestand an und übernimmt die axialsymmetrische Grundstruktur des spätgotischen Kirchenbaus. Der durch Grabungen entstandene Freiraum wird mit einem monolithischen Körper besetzt und bildet das neue Fundament für das bestehende Kirchenschiff. Die neuen Räume bleiben als Negativformen aus dem monolithischen Gebilde ausgespart. Eine spezielle Treppenanlage verbindet Oberkirche und Unterkirche, wobei der Konzentrationspunkt der Anlage der Andachtsraum mit großer Raumhöhe ist, dessen seitlichen Raumabschluss die Grablege bildet. Der Zugang zum Archäologiebereich liegt auf Höhe des Zwischenpodestes, zwei Nischen im Baukörpermonolith ermöglichen hier die Präsentation von kleinformatigen Einzelobjekten. Der gesamte Entwurf beinhaltet ein komplexes System als Kombination aus verschiedensten Verhältniszahlen, Proportionen und Symbolen. Eine weitere Besonderheit ist die Herausbildung der Raumschalen: Diese erfolgte in Stampflehmbauweise mit der durch die Grabungen geborgenen, bis zu 1500 Jahre alten Friedhofserde. 

Der DHZ-Publikumspreis 2020

Der Publikumspreis der Deutschen Handwerks Zeitung – Leser konnten im Vorfeld online für ihren Favoriten aus der Ausstellung GEPLANT+ AUSGEFÜHRT stimmen – geht in diesem Jahr an die PURE GRUPPE Architektengesellschaft mbH aus Regensburg in Zusammenarbeit mit Laubmeier Innenausbau aus Geigant. In der gemeinsam umgesetzten Sushi-Bar „Aska“ wird bei nur 12 Sitzplätzen feinstes Edomae-Sushi über den Dächern der Regensburger Altstadt verköstigt. Das tiefschwarze Interieur der Bar greift das Bild einer verwitterten, verlassenen Fischerhütte in rauer Natur auf: Das Holz des Interieurs wurde dafür in Anlehnung an verwittertes Holz geflammt, mit einer speziellen Technik abriebfest verkohlt und verkörpert so den Namen „Aska“ – schwedisch für Asche. Weiteres Highlight: Der Gast tritt durch ein welliges, raumteilendes Metallgewebe, das die Optik eines alten Fischernetzes assoziiert, in den Gastraum. Der lange Tresen ist wie ein überdimensionaler Fisch gestaltet und aufwändig mit mehr als 2400 handgearbeiteten, schwarzen Lederschuppen belegt.

Unterstützt wird GEPLANT+AUSGEFÜHRT vom Zentralverband des Deutschen Handwerks, dem Bayerischen Handwerkstag, dem Bund Deutscher Innenarchitekten, der Bayerischen Architektenkammer, der Handwerkskammer für München und Oberbayern, der Initiative Architektur, aut. architektur und tirol und der Kammer der Architekten Bozen. Weitere Infos zur Ausstellung unter: www.ihm.de/geplant-ausgefuehrt


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  • Feuerwehrzentrum Köln-Kalk, Roland Halbe
  • Dachaufstockung R11_Maxvorstadt, Brigida González
  • Bischofsgrablege Sülchenkirche Rottenburg a. Neckar, Adolf Bereuter
  • Sushi-Bar ASKA, Herbert Stolz
  • Jurymitglieder GEPLANT+AUSGEFÜHRT, von links nach rechts: • Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern • Dr. Angela Böck, Ausstellungsreferentin, Handwerkskammer München und Oberbayern • Axel Frühauf, meck architekten gmbh, Preisträger 2019 • Prof. Lydia Haack, Vorsitzende BDA Bayern, Bund Deutsche Architekten/ Bayern und Vorstandsmitglied Bayerische Architektenkammer • Matthias Franz, Vizepräsident BDIA, Bund deutscher Innenarchitekten • Rainer Hilf, Vorstandsmitglied Bayerische Architektenkammer • Martin Vilgertshofer, Vorstandsmitglied des Fachverbandes Schreinerhandwerk Bayern
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