"Dem Beruf des Steinmetzes einen neuen Dreh geben"

IHM: Herr Höhn, seit knapp zwei Jahren wollen Sie mit Ihrem Betrieb Ihre eigene Marke aufbauen. Mit welchem Ziel?

Sebastian Höhn: Ich möchte dem Beruf des Steinmetzes einen neuen Dreh geben. Viele Menschen denken bei meinem Handwerk nur an Grabsteine. Ich arbeite auch tatsächlich damit - nur nutze ich alte Grabsteine, um daraus etwas Neues zu machen. Zum Beispiel Waschbecken, magnetische Messerblöcke oder Leuchtobjekte mit LED-Elementen. Mein Ziel ist eine coole, authentische Außenwirkung: Ich rede nicht so glattgebügelt, höre laute Musik beim Arbeiten und mag ausgeflippte Aufträge. Gleichzeitig sollen die Menschen mich als qualitativ hochwertigen Handwerker wahrnehmen.  

IHM: Wie machen Sie auf sich aufmerksam?

Höhn: Ich nutze die sozialen Netzwerke, vor allem Facebook und Instagram, weil da Fotos und Videos gut zur Geltung kommen. Dabei probiere ich einiges aus: Videos im Zeitraffer haben bei mir zum Beispiel eine gute Reichweite. 2018 habe ich das erste Mal beim Girls Day mitgemacht, bei dem Mädchen für einen Tag in typische "Männerberufe" schnuppern können. Sie fanden es total gut, selbst aktiv zu werden. Auch möchte ich Design-, Architektur- und Innenarchitekturstudenten für den Werkstoff Naturstein begeistern und plane deshalb, mit der örtlichen Hochschule zusammenzuarbeiten. Als Handwerker ist es wichtig, außerhalb der eigenen Szene bekannt zu werden. Ich stelle meine Werke regelmäßig aus, zum Beispiel bei Veranstaltungen rund um Coburg, in einem Weinkeller bei Würzburg oder in einer Bank in München. Hilfreich sind auch Beiträge in Magazinen.

IHM: Was macht es manchmal schwierig, den eigenen Betrieb zu vermarkten?

Höhn: Es ist schon schwer, ein Unternehmen aus dem Nichts heraus bekannt zu machen. Richtiges Marketing, also zum Beispiel Werbeanzeigen in Magazinen oder online zu schalten, ist sehr teuer. Ich habe mal darüber nachgedacht, momentan aber noch nicht genug Budget. Ich überlebe momentan durch klassische Steinmetzarbeiten und versuche dann nebenbei, das eigentliche Ziel von Rock-Design - also Leuchtobjekte, Messerblöcke, Waschbecken - bekannt zu machen und zu vermarkten.

IHM: Welche Tipps geben Sie Handwerkern, die wie Sie am Anfang stehen?

Höhn: Ich empfehle sehr viel Geduld. Nichts passiert von jetzt auf gleich, das habe ich mit der Zeit gelernt. Ein Business Plan ist ganz wichtig. Klar, auf Social Media lässt sich herumprobieren, aber für das Geschäftsmodell und die Finanzen braucht man zuallererst einen Fahrplan. Dabei sollte man nicht zu knapp kalkulieren. Private Investoren haben den Vorteil, dass sie wesentlich flexibler sind als Banken. Eine Unternehmensgründung verläuft nicht immer glatt - dann braucht man jemanden, der schnell finanziell aushilft. Ein zweites Standbein am Anfang kann nicht schaden, um die Fixkosten zu decken. Ich arbeite häufig in der Restaurierung und am Bau. Und am Ende muss man vor allem an sich glauben und sich nicht ständig verändern, wenn etwas nicht gleich funktioniert. Sonst klappt es mit der eigenen, glaubwürdigen Marke nicht.

Das Interview führte Nina Bärschneider.

Sebastian Höhn

Sebastian Höhn

Steinmetze können mehr als nur Grabsteine und Fensterbänke herstellen, sagt Sebastian Höhn. Er will für seinen Ein-Mann-Betrieb eine Marke aufbauen: cool, handfest und authentisch. Wie er das angeht, erzählt der Coburger im Interview.

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