Engagement im Handwerk: "Es gibt so viele Möglichkeiten!"

IHM: Herr Stemberg, wie kommt man als westfälischer Handwerksbetrieb auf die Idee, ein soziales Projekt in Mosambik zu starten?

Andreas Stemberg: Auf das Projekt im Dorf Cambine kamen wir, weil dort deutsche Entwicklungshelfer lebten, die dringend Licht für ihre Arbeit brauchten. Das war die Gelegenheit für uns, uns nützlich zu machen. Als Betrieb für Solartechnik passen wir gut in sonnenreiche Länder, deren Energieversorgung gerade erst aufgebaut wird. Ich hatte schon einige Erfahrungen mit Solarprojekten in afrikanischen Ländern, zum Beispiel als ich die Solarstromversorgung einer Augenklinik in einer entlegenen Region in Nigeria aufgebaut habe. Die Menschen und den Kontinent mag ich sehr. In afrikanischen Ländern südlich der Sahara haben die Menschen außerhalb der Städte meist keinen Strom. Viele junge Leute verlassen deshalb ihre Heimat. Mit Solarenergie können wir Ausbildung, Beschäftigung und Energieversorgung vor Ort verbessern und damit Einige vielleicht zum Bleiben motivieren.

IHM: Wo fängt man an, wenn man so ein Projekt startet? Wie viel Zeit und Geld sollte man einplanen?

Stemberg:
Ich habe möglichst viele Informationen über das Projekt gesammelt und war mit Freunden vor Ort, die bereits Erfahrung in dem Bereich hatten. Für die erste Solarinstallation habe ich gebrauchte Solarmodule gesammelt, dazu kamen Zubehör aus dem Betrieb und etwa 5000 Euro, die die Menschen in Lage für das Projekt gespendet haben. Beim ersten Einsatz war die ganze Familie für drei Wochen dabei, das war dann unser Jahresurlaub. Über das Jahr verteilt kommen zwei bis drei Wochen Vor- und Nachbereitung dazu.

IHM: Welche Herausforderungen birgt so ein Projekt?

Stemberg: Da gibt es viele. Der erste Projektbesuch - damals ohne GPS - war schon abenteuerlich: Vom südafrikanischen Johannesburg ging es mit dem Auto weiter mit einer veralteten Straßenkarte aus Kolonialzeiten. Wegen der schlechten Straßen hatten wir viele ungeplante Stopps. Das Internet macht heute einiges leichter. Schwierig bleibt, in Deutschland und vor Ort passende Menschen für die Zusammenarbeit zu finden. Ohne sie geht es nicht.

IHM: Was raten Sie Handwerksbetrieben, die sich engagieren möchten, aber nicht wissen, wie?

Stemberg: Um anderen zu helfen, muss man gar nicht so weit reisen wie wir. Bei der Bewerbung zum "Goldenen Bulli 2017" haben sich zahlreiche Handwerksbetriebe mit ehrenamtlichen Projekten vorgestellt: von der Hilfe für Kinder über den Bau erdbebensicherer Häuser bis hin zu einem Angebot für Obdachlose. Es gibt so viele Möglichkeiten! Es hilft, einfach mal zu schauen, was andere gemacht haben und sich zu überlegen: Was passt zu meinem Gewerk? Zu meinem Unternehmen? Zu mir persönlich?

IHM: Haben Sie weitere Projekte geplant?

Stemberg: In Mosambik bleiben wir auch zukünftig aktiv, zumal es dort 2017 einen schweren Zyklon gab, der sehr viel zerstört hat. Längst arbeiten wir nicht nur im Zentrum von Cambine. Handwerker können sehr praktische Hilfe leisten, mit einem schnell sichtbaren Erfolg. Besonderes Potenzial hat die Ausbildung von neuen Fachkräften. Bei uns hat zum Beispiel ein nigerianischer Praktikant angefangen - und vielleicht kann er mit dem Wissen, das wir ihm vermitteln, nach seiner Rückkehr dann etwas in seiner Heimat bewirken.

Das Interview führte Nina Bärschneider.

Andreas Stemberg

Andreas Stemberg

Andreas Stemberg sorgt mit seinem Betrieb Stemberg Solar- und Gebäudetechnik nicht nur in seinem Heimatort Lage dafür, dass Strom fließt. Seit fast 20 Jahren setzt sich der Gewinner des Engagement-Preises "Goldener Bulli 2017" für eine bessere Energieversorgung in Mosambik ein.

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