"Mit 3D-Druck erweitern Handwerker ihre Angebotspalette."

handwerk magazin/IHM: Frau Ruhkopf, viele Handwerker sind noch skeptisch: Lohnt sich der Einsatz von 3D-Druckern schon? Wie weit ist die Technik?

Monika Ruhkopf: Ein Bauteil, Werkzeug oder Prototyp lässt sich über 3D-Druck heute bereits relativ einfach herstellen. Doch für viele Handwerker lohnt sich die Anschaffung eines eigenen Druckers tatsächlich derzeit nicht. Vor allem nicht für Produkte aus Metall, die für viele Handwerker besonders interessant sind. Ein Metall-3D-Drucker kostet rund 300.000 Euro. Ein Betrieb mit fünf Mitarbeitern kann sich so eine Investition nicht leisten. Da kommen 3D-Druck-Dienstleister wie wir ins Spiel. Wir drucken Produkte nach den Plänen der Handwerker mit 3D-Technik aus: So profitieren sie von der schnellen Fertigung, sparen aber Anschaffungskosten.

handwerk magazin/IHM: Warum sollte ein Handwerkerbetrieb überhaupt auf 3D-Druck setzen?

Monika Ruhkopf: Der 3D-Drucker kann Handwerkern eine Menge Arbeit abnehmen. Die Technik eignet sich zum Beispiel für die Herstellung von individuellen Werkzeugen, für einzelne Prototypen, aber auch kleine Serien. Mit einer 3D-Vorlage lassen sich Bauteile schnell herstellen und reproduzieren.

Laden Nutzer die Vorlagen in eine Cloud hoch, können sie von überall auf der Welt darauf zugreifen. Das erleichtert die Zusammenarbeit von Handwerkern mit Kunden aus der Industrie. Auch spart der Handwerksbetrieb Zeit: Eine aufbereitete, fehlerfreie 3D-Druckdatei kann sofort an einen Drucker mit dem geforderten Material gehen. Da es keine langwierigen Maschinenrüstzeiten gibt, kann selbst ein langsamer 3D-Druck schneller und kostengünstiger sein.

handwerk magazin/IHM: Braucht es denn überhaupt noch Handwerker, wenn jedermann sich Produkte und Bauteile nach Wunsch aus dem 3D-Drucker bestellen kann?

Monika Ruhkopf: Fräser und Dreher wird es immer geben, ihr Fachwissen und ihr handwerkliches Können bleiben gefragt. Was sich verändert, ist, dass sie ihre Angebotspalette durch 3D-Druck erweitern und somit auch neue Kundengruppen erschließen können. Handwerker, die 3D-Druck einsetzen, können ganz individuelle Aufträge bearbeiten. Das wird zum Beispiel im Bereich Elektromobilität immer wichtiger. Über den Drucker gelingen ihnen auch hochkomplexe Formen, etwa für den Sondermaschinenbau, die sie sonst nicht fertigen könnten.

 

Das Interview führte Nina Bärschneider

Monika Ruhkopf

Monika Ruhkopf ist die Geschäftsführerin der pro3D GmbH.

Das Start-up aus Ravensburg stellt Bauteile, Werkzeuge und Prototypen per 3D-Druck her. Wie Handwerker 3D-Druck einsetzen können, um Prozesse zu optimieren und ihre Angebotspalette zu erweitern, erklärt sie im Interview.

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