Prof. Lydia Haack im Gespräch

Von der gefalteten Betonfassade bis zur exklusiven Restaurantgestaltung, von der Sanierung eines denkmalgeschützten Wohnhauses bis zum spektakulären Museumsneubau - herausragende Teamleistungen von Handwerkern und Architekten/Innenarchitekten werden auf der Internationalen Handwerksmesse mit den GEPLANT+AUSGEFÜHRT-Preisen ausgezeichnet und in einer eigenen Ausstellung präsentiert.

Prof. Lydia Haack, Architektin, Stadtplanerin und Vorsitzende der GEPLANT+ AUSGEFÜHRT-Jury 2016, spricht vorab im Interview über schwierige Entscheidungen und echte Glücksfälle.

Wertschätzung für beide Seiten fördern

Internationale Handwerksmesse: Im März 2017 erlebten Besucher der Internationalen Handwerksmesse die sechste Auflage von GEPLANT+AUSGEFÜHRT. Was ist das Besondere an dieser Ausstellung und diesem Wettbewerb?

Prof. Lydia Haack: Das Besondere zeigt sich schon im Titel: Es geht darum, Planung und Ausführung als gemeinschaftliches Werk zu würdigen. Als der Wettbewerb ins Leben gerufen wurde, war er meines Wissens der erste und einzige, der das Ergebnis einer erfolgreichen Zusammenarbeit von Handwerken und Architekten/Innenarchitekten ins Rampenlicht stellte.

Internationale Handwerksmesse: Die besten Projekte werden jedes Jahr am Messedonnerstag mit den GEPLANT+AUSGEFÜHRT-Preisen geehrt. Welches Projekt hat Sie persönlich bisher am meisten beeindruckt?

Prof. Haack: Da gab es in den vergangenen Jahren einige. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir beispielsweise das Kinder- und Familienzentrum in Ludwigsburg-Poppenweiler.

Ein Neubau, der mit einem bereits bestehenden Bau eine Einheit bildet, die wiederum eingefasst ist in einen ländlichen Kontext. Keine laute Architektur, sondern eine sehr leise, die davon lebt, dass sie handwerklich präzise ausgeführt ist.

Genau bei solchen Beispielen merkt man, wie wichtig die Zusammenarbeit von Handwerker und Architekt/Innenarchitekt ist. Ich glaube sogar, dass es schwer ist, Architektur zu prämieren, die handwerklich nicht perfekt ausgeführt ist.

Man kann eine Idee prämieren oder ein Konzept, aber ein Bau lebt durch das Zusammenspiel und die Wertigkeit aller Komponenten.

"Wenn man so jemanden findet, lässt man ihn nicht mehr los"

Internationale Handwerksmesse: Inwieweit können sich Architekten und Handwerker bei der Umsetzung von Projekten gemeinsam zu Spitzenleistungen antreiben?

Prof. Haack: Um Großartiges entstehen zu lassen, bedarf es der richtigen Kommunikation. Man muss herausfinden, was der andere braucht. Das benötigt allerdings Zeit und die ist bei vielen Projekten heutzutage leider nicht mehr gegeben.

Ein anderes Problem ist ein strukturelles: Es werden immer weniger Aufträge direkt an kleine Betriebe vergeben, stattdessen dienen sie häufig als Subunternehmer von größeren Unternehmen. So findet mit den kleinen Betrieben kein wirklicher Austausch mehr statt und ihr handwerkliches Know-how wird nicht voll ausgeschöpft.

Internationale Handwerksmesse: Bei den GEPLANT+AUSGEFÜHRT-Projekten läuft das anders. Von Ihnen wurde ein Haus mit beweglicher Fassade vorgestellt, das von einem kleineren Handwerksbetrieb umgesetzt wurde.

Prof. Haack: Und für das wir 2013 einen GEPLANT+AUSGEFÜHRT-Preis bekommen haben. Dieses Projekt wäre niemals so gelungen, wenn der Handwerksbetrieb nicht die nötige Kompetenz gehabt hätte, um mit uns diese besondere Lamellenfassade umzusetzen. Ein echter Glücksfall. Wenn man so jemanden findet, lässt man ihn nicht mehr los.

Internationale Handwerksmesse: Das Teamwork von Handwerkern und Architekten/Innenarchitekten spielt auch bei der Juryentscheidung eine Rolle, denn die Jury besteht aus Vertretern beider Branchen.

Prof. Haack: In der Jury funktioniert die Zusammenarbeit hervorragend. Bei der letzten Sitzung herrschte sehr großes Einvernehmen, welche Projekte auf der Internationalen Handwerksmesse vorgestellt werden sollen.

Viel schwieriger war es, die vier Preisträger zu bestimmen, weil alle Projekte der Ausstellung wirklich richtig gut waren. Von daher ist es schon eine Auszeichnung, für die Ausstellung ausgewählt zu werden.

Internationale Handwerksmesse: Zum ersten Mal wurde der Preis im Jahr 2012 verliehen. Hat sich die Auszeichnung inzwischen einen Namen gemacht und ist vielleicht auch eine Art Sprungbrett geworden, was weitere Auszeichnungen angeht?

Prof. Haack: GEPLANT+AUSGEFÜHRT ist ein sehr junger Preis. Und auch wenn er nicht zu den führenden Architekturpreisen in Deutschland gehört, ist er inzwischen doch zu einer Marke geworden, ein Preis, auf den die Gewinner zurecht sehr stolz sind.

Was den Wettbewerb als Sprungbrett angeht: Zumindest war die Jury in den vergangenen Jahren sehr treffsicher, es gab einige Projekte, die später mit großen Preisen ausgezeichnet wurden.

Internationale Handwerksmesse: Frau Prof. Haack, vielen Dank für das Gespräch.

Prof. AA Dipl. Lydia Haack, Architektin + Stadtplanerin BDA, geboren 1965, studierte Architektur in London und München. 1995 gründete sie zusammen mit John Höpfner das Büro "Haack + Höpfner. Architekten und Stadtplaner BDA" in München.

Von 1995 bis 2011 lehrte die eingetragene Stadtplanerin an der TU München, den Hochschulen Augsburg und Coburg sowie an der Queens University in Belfast.

Seit 2011 ist sie Professorin für Baukonstruktion und Entwerfen an der Fakultät für Architektur und Gestaltung der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung Konstanz. 

Sie ist Mitglied des Vorstandes der Bayerischen Architektenkammer und 2. Vorsitzende des Landesverbandes BDA Bayern.

Darüber hinaus ist sie Mitglied im Bund Deutscher Architekten BDA, der Architektenkammer Bayern und der der Architektenkammer Großbritannien, im Gestaltungsbeirat der Städte Lindau und Bamberg sowie im mobilen Gestaltungsbeirat der Bayerischen Architektenkammer.

Zur Person

Prof. AA Dipl. Lydia Haack, ist Professorin für Baukonstruktion und Entwerfen an der Fakultät für Architektur und Gestaltung der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung Konstanz.  Sie ist Mitglied des Vorstandes der Bayerischen Architektenkammer und 2. Vorsitzende des Landesverbandes BDA Bayern.

1995 gründete sie zusammen mit John Höpfner das Büro "Haack + Höpfner. Architekten und Stadtplaner BDA" in München.

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