"Wir sind eben das Original"

Die Internationale Handwerksmesse steht 2017 unter dem Motto "Made in Germany. Das Original. Echt bei uns im Handwerk".
Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), spricht im Interview über die Bedeutung dieses Schwerpunktthemas für das Handwerk und die zentrale Rolle, die die Internationale Handwerksmesse als lebendige Plattform dabei spielt.

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer

"Made in Germany. Das Original. Echt bei uns im Handwerk" lautet das Motto der Internationalen Handwerksmesse 2017. Warum ist dieses Thema gerade jetzt so aktuell?

Hans Peter Wollseifer: Erstens: Deutschland entdeckt das Handwerk gerade neu, versteht, dass Handwerk so viel mehr ist als "Mann mit Schaufel".

Zweitens: Im Ausland wird Handwerk aus Deutschland immer beliebter - wir exportieren vom traditionsreichen Original, dem Dresdner Christstollen, bis zum High-Tech-Produkt Roboter-Werkzeug; dazu werden immer häufiger Dienstleistungen mitverkauft, die mit der digitalen Entwicklung erst möglich werden.

Drittens: Handwerk ist entscheidender Teil vieler industrieller Wertschöpfungsketten und damit für den aktuellen Erfolg des "Made in Germany" insgesamt mitverantwortlich.

Was bedeutet dieses Motto für Sie als Präsident des ZDH?

Wollseifer: "Made in Germany" als Qualitätsversprechen lässt sich nur halten, wenn das Handwerk seine "Originale" behält. Die duale Ausbildung qualifiziert junge Menschen in ihrem Handwerk. Der Meisterbrief sorgt dafür, dass exzellente berufliche Bildung auch in Zukunft im Handwerk an die nächste Generation weitergegeben werden kann.

Die Handwerksorganisationen kennen die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Handwerksbetriebe und unterstützen sie bei allen Prozessen, von der Ausbildung über die Fort- und Weiterbildung bis zur Betriebsführung. Dieses einzigartige System macht das Handwerk so stark. Es ist Garant für den weltweit guten Ruf unserer Dienstleistungen und Produkte - eben "Made in Germany".

Kann das Handwerk das Qualitätsversprechen "Made in Germany" auch in Zukunft ohne Einschränkung abgeben?

Wollseifer: Davon bin ich überzeugt. Aber dafür muss Deutschland umdenken. Berufliche und akademische Bildung müssen wirklich gleichwertig sein. Unsere Betriebe wollen weiter in der 1. Liga in der Welt spielen, mit hoch qualifizierten Mitarbeitern "Made in Germany" hoch halten.

Dafür brauchen sie leistungsorientierten Nachwuchs, Facharbeiter und Meister, Spezialisten und Bachelor-Absolventen, die die Praxis der Theorie vorziehen. Diese jungen Menschen erwarten Ausbildungsstätten, die dem Anspruch gewachsen sind, berufliche Exzellenz auszubilden.

Da muss die Politik mehr investieren. Damit die Menschen nicht mehr glauben, nur mit Abitur und Studium könne man etwas aus seinem Leben machen. Sondern sich bewusst für eine berufliche Karriere entscheiden.

Inwieweit trägt die Internationale Handwerksmesse in München dazu bei, handwerkliche Spitzenleistungen "Made in Germany" öffentlichkeitswirksam zu präsentieren?

Wollseifer: Die Internationale Handwerksmesse ist das wahre Schaufenster der Leistungsfähigkeit des Handwerks. In diesem Jahr will die Internationale Handwerksmesse die Qualität und Nachhaltigkeit von Start-ups im Handwerk unterstreichen.

Aber sie macht auch neue Trends bewusst - etwa das Handwerk als Motor der Energieeffizienz. Oder sie schaut in die Zukunft, führt an die Entwicklungen der digitalen Welt heran - und macht Handwerker und andere Messebesucher Staunen.

Sie ist aber auch ein Ort des Austausches zu den großen Zukunftsfragen - Europa und Globalisierung, Einbindung von Migranten und Flüchtlingen oder Zukunft der beruflichen Bildung. Mit der Internationalen Handwerksmesse demonstriert das deutsche Handwerk jedes Jahr aufs Neue seine Einzigartigkeit. Wir sind eben das Original.

Herr Wollseifer, vielen Dank für das Interview.

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